Nyan Cat Love is on Fire

Sonntag, 11. Oktober 2020

"Es war schön dich wiederzusehen."

Verrückt, was sich innerhalb kürzester Zeit alles tun kann. Mein frischestes, spannendes Erlebnis hat sich am Freitag, den 09.10.2020 zugetragen und da dieser Blog hauptsächlich nur noch dafür da ist, dass ich eben solche unvergesslich für mich machen kann, werde ich nun genau dies machen. Es fing damit an, dass ich ihn auf WhatsApp anschrieb und fragte, ob er ein gutes kleines Restaurant oder Café in Düsseldorf kennt. Da er ja schließlich aufgrund seines Praktikums dort wohnt, hielt ich dies für die einfachste Lösung um auf schnellstem Wege an einen hilfreichen Tipp zu kommen. Ich hatte nämlich aus einem gegebenen Anlass vor, dorthin zu fahren und war nicht in der Stimmung für langes googlen und entscheiden. Er nannte mir daraufhin zwei Vorschläge und ich bedankte mich, woraufhin ich fragte ob er auch in Düsseldorf sein würde, da man sich dann vielleicht ja sogar über den Weg läuft. Er schrieb zurück, dass er tatsächlich dort sein würde und schlug dann - zu meiner Überraschung - vor, ob wir nicht zusammen einen Kaffee trinken wollen wenn's zeitlich passt. Nach etwas längerem Überlegen stimmte ich zu und wir verabredeten uns.

Wir verabredeten uns für den Düsseldorfer Hauptbahnhof, da er dort in der Nähe wohnt und wir uns für nach seinem Feierabend verabredet haben. Ich muss im Nachhinein zugeben, dass je näher die vereinbarte Uhrzeit heranrückte, ich aufgeregter wurde und ich überlegte immer wieder wann ich ihn das letzte Mal gesehen hatte. Hundertprozentig bin ich mir auch jetzt noch nicht sicher, doch ich glaube es war vor zwei Jahren als wir uns in seinem alten Wohnort getroffen haben und uns auch nochmal näher gekommen sind. Da die heutigen Umstände aber nun andere sind, war letzteres definitiv keine Option mehr aber ich hatte auch nicht die Befürchtung, dass er Anstalten in diese Richtung machen würde, weswegen ich einem Treffen zwischen uns viel mehr optimistisch entgegen sah. Er schrieb mir noch ein paar Minuten zuvor, dass er uns ein Plätzchen im Starbucks gesichert habe und als ich besagten Ort betrat, sah ich wild umher ohne ihn jedoch zu finden. Als ich erneut meinen Blick durch den Raum schweifen lies, sah ich dass es noch ein Stück weiter reingeht und dann leiteten meine Beine mich wie von selbst zu ihm. Da saß er, im schicken Anzug und mit einer Tasse Kaffee vor sich auf dem Tisch. Ich zog meinen Mund-Nasen-Schutz aus, um ihm mein breites Grinsen zu offenbaren und wir umarmten uns zur Begrüßung. "Schön, dich zu sehen", sagte er und ich setzte mich gegenüber von ihm hin. Ab da unterhielten wir uns ausgiebig über Leute aus unserer gemeinsamen Schulzeit und unsere jetzigen Jobs sowie dazugehörigen Arbeitsplätze. Wir lachten viel zusammen und es war wieder so schön umkompliziert mit ihm zu sprechen, wie ich es in Erinnerung hatte und es freute mich zutiefst. Wir sind wohl kaum sehr gute Freunde, doch uns wird immer was verbinden und wir schätzen uns gegenseitig. Das gibt einem das Gefühl einen alten Freund wieder zu treffen und ich kann nicht behaupten, dass ich mich nicht wohl gefühlt habe in seiner Nähe. Irgendwann kamen wir auf das Thema Kindheit und Jugend. "Ich erinnere mich an kaum etwas", begann er zu erzählen. "Immer wenn ich Geschichten erzählt bekomme, erinnere ich mich nichtmal ansatzweise an diese." Ich stimmte ihm zu, da es mir ähnlich geht. Gefühlt hat die fünfte bis achte Klasse gar nicht existiert. "Bei mir fangen Erinnerungen erst wieder in der achten Klasse an und ab da weiß ich wieder vieles", fügte er hinzu und ich musste unweigerlich lächeln. Als er in der achten Klasse war, haben wir uns ineinander verliebt und sind zusammen gekommen. Zwar hätte es mich auch ein wenig gewundert, wenn er behauptet hätte dass er davon ebenfalls nichts mehr weiß aber es hat mich dennoch gefreut zu hören, dass er sich daran erinnert und wenn man uns heute betrachtet, ist es auch nahezu unglaublich dass wir damals noch so jung waren aber uns trotzdem nie gänzlich aus den Augen verloren haben. Während wir uns weiter unterhielten, verging die Zeit wie im Fluge und ehe wir uns versahen, mussten wir auch wieder aufbrechen. Dabei fiel mir wieder auf wie unfassbar groß er ist, ich bin wirklich der absolute Zwerg im Gegensatz zu ihm. Würde ich ihn nicht kennen, fände ich das sogar etwas einschüchternd. Wir verließen Starbucks wieder und standen in der Menschenmenge des Düsseldorfer Hauptbahnhof, als er sagte: "So ... Es war schön dich wiederzusehen. Solltest du mal wieder in Düsseldorf sein, sag gerne Bescheid." Ich lächelte unter meinem Mund-Nasen-Schutz. "Mache ich", antwortete ich. "Das hoffe ich", hörte ich ihn daraufhin mit einem Grinsen in der Stimme sagen und wir umarmten uns noch einmal zum Abschied. Ich muss zugeben, dass ich aufgrund seiner Größe etwas unbeholfen dabei war aber es hat mich in dem Augenblick nicht gestört. Ich war einfach nur glücklich darüber, dass wir so ein nettes und entspanntes Treffen zusammen hatten. 
Meinem Freund S. habe ich selbstverständlich ebenfalls davon erzählt, wenn auch nicht sehr detailreich. Er hakte aber auch nicht großartig weiter nach, bis auf "Und, geht es ihm gut?" und "Warum wohnt er Düsseldorf?". Er wirkte aber auch nicht eifersüchtig oder etwas dergleichen, sondern viel mehr neutral. Er hat sich aber für mich gefreut, dass ich mich gefreut habe und das war mir auch wichtig. Nun bin ich wieder zurück in meinem normalen Alltag und fahre gleich zu meinen Eltern, um noch ein paar Sachen von dort abzuholen.

Mittwoch, 30. September 2020

"Es war schön mit dir zu sprechen."

Es ist so viel passiert seit meinem letzten Post, sodass ich meinen Drang zu schreiben nun nicht mehr zurückhalten kann. Logisch, dass ich dabei unter anderem die aktuelle Corona-Pandemie im Sinn habe, denn diese ist schließlich das wohl größte Ereignis seit langem - für so ziemlich jeden Einzelnen von uns. Zum Glück hat diese aber mein letztes Ausbildungsjahr nicht allzu sehr beeinträchtigt. Natürlich wurde auch meine Abschlussprüfung verschoben und das war wirklich nervenraubend zum Zeitpunkt der Bekanntmachung, da wir auch nicht auf Anhieb einen neuen Termin erhalten haben. Nichtsdestotrotz habe ich mich das erste Mal so richtig auf meinen Hintern gesetzt und gelernt. Während meiner gesamten Schulzeit habe ich das nicht häufig gemacht und ich war auch stets der Meinung, dass das nichts für mich ist, weswegen ich mich auch aus diesem Grund für eine Ausbildung statt eines Studiums entschieden habe. Dennoch wollte ich es schaffen einen guten Abschluss zu erreichen, um meinen neuen bei einer der Justizbehörden in Köln auch antreten zu können, denn dafür brauchte ich mindestens eine Gesamtnote von "Befriedigend". Einerseits dachte ich zwar, dass wenn ich mein Abitur mit verhältnismäßig wenig Aufwand geschafft habe, ich auch meine Ausbildung definitiv schaffen werde, doch ich wollte mich seit langem mal wieder nicht mit dem geringsten zufrieden geben. Nein - Ich wollte deutlich besser sein als das! Also setzte ich mich für drei Wochen täglich acht Stunden an meine Gesetzestexte, alten Abschlussprüfungen und Übungsaufgaben. Ich ging strategisch jedes meiner drei Lehrjahre nochmal durch und wurde am Ende auch belohnt: Ich habe als Jahrgangsbeste meine Abschlussprüfung abgelegt. Selten war ich jemals so stolz auf mich, denn ich habe mir selbst bewiesen dass ich viel mehr kann wenn ich es nur will und auch an mich glaube. Natürlich war es auch eine Form von Egopush zu wissen, dass die Rechtsanwaltskammer nicht nur Köln, sondern auch noch Bonn und Aachen miteinschließt. Somit habe ich mein Ziel mehr als erreicht und arbeite nun seit Anfang Juli bei meiner Wunsch-Justizbehörde. Ein weiterer Meilenstein in meinem Leben ist, dass ich ausgezogen bin. Mein Freund und ich wohnen bereits seit knapp einem halben Jahr zusammen und es klappt außerordentlich gut bisher. Wir sind allerdings immer noch dabei Möbel zu kaufen, denn aufgrund der Corona-Pandemie erfolgte der Umzug nur mit dem allernötigsten. Jedoch können wir uns keinesfalls beschweren, denn wir wohnen wirklich preislich in einer Großstadt wie Köln und das auch noch nur ziemlich zentral. Mit dem Fahrrad kommen wir überall innerhalb von Minuten hin und das ist ein Luxus, den ich zuvor nie kannte aber auch nicht mehr vermissen möchte. Er hat vor kurzem auch angefangen "International Management" zu studieren und arbeitet nur noch zwanzig Stunden die Woche nebenher, während ich eben meiner 39-Stunden-Woche nachgehe. Ich kann definitiv behaupten, dass ich mich noch nie ansatzweise so erwachsen gefühlt habe wie derzeit. Dabei ist da immer noch Luft nach oben, doch mein derzeitiger Lebensstand stellt mich mehr als zufrieden.


Und nun möchte ich mir von der Seele runter schreiben, was es mit dem Titel dieses Posts auf sich hat und dazu noch eine kleine Randgeschichte erzählen: Anfang Mai 2018 habe ich mich spontan mit ihm getroffen. Ja genau, mit diesem einen Jungen - oder mittlerweile viel mehr Mann. Es war eine wirklich seltsame Lebenssituation in der ich mich befand, da ich ja zu der Zeit auch noch was mit meinem Exfreund am laufen hatte (was ich im Nachhinein immer noch für ziemlich naiv halte). Allerdings ging dies da auch schon deutlich den Bach runter, keine zwei Wochen später war es dann auch komplett vorbei zwischen uns. Jedenfalls haben er und ich uns in seinem alten Wohnort getroffen und uns dort einfach irgendwo hingesetzt und gequatscht. Ich erinnere mich noch daran wie unvorstellbar ich es dabei fand, dass ich mal so derart in ihn verliebt war. Nicht weil er nicht liebenswürdig ist oder sich stark verändert hat, sondern weil es früher für mich nie wirklich leicht war so schwerelos mit ihm zu sprechen. Andauernd habe ich alles überinterpretiert was er gemacht und gesagt hat, was mich tagelang danach noch hat grübeln lassen und das war viel mehr anstrengend als leicht. Umso schöner fand ich es, dass dies nun Jahre später möglich und er empfand dies offensichtlich genauso. "Mit dir ist es so einfach", sagte er noch und lächelte mich an. Aber wer hätte geahnt, dass es am Ende dieses Treffens doch nicht bei einer rein freundschaftlichen Umarmung bleiben würde? Ich jedenfalls nicht. Er fuhr mich mit dem Auto seiner Eltern nach Hause und als wir uns gerade aus der besagten Umarmung voneinander lösten, tauschten wir einen Blickkontakt aus. Dieser hielt vielleicht für eine oder zwei Sekunden an, denn plötzlich passierte es wie von selbst, dass wir uns näher kamen und schließlich vorsichtig küssten. Diese Vorsicht verschwand aber ebenfalls innerhalb kürzester Zeit und das Eine führte zum Anderen. Es war schön mit ihm, ich habe dieses Treffen nie bereut und was es noch viel unkomplizierter machte: Wir haben uns gesagt, dass es schön war und sind nie näher auf das was zwischen uns passiert ist eingegangen. Seitdem haben wir immer mal wieder hin und her geschrieben, wie es uns geht und was sich momentan in unserem Leben abspielt. Wir wollten uns auch mal wiedersehen, doch das kam nie zustande und im November 2018 kam ich dann mit meinem jetzigen Freund zusammen. Kommen wir nun aber zurück in die Gegenwart: Letztes Wochenende gab es einen kleinen Umtrunk bei einer Freundin, ohne jeglichen besonderen Anlass. Da ich seit einer Weile keinen Alkohol mehr getrunken habe, vertrug mein Körper selbstverständlich sehr wenig. Als es dann dazu kam, dass ich einen Anruf tätigen wollte, habe ich mich auch noch vertippt - denn ich habe mich dummerweise während ich den Kontakt suchte noch unterhalten und mein Multitasking ist bei sowas äußerst fragwürdig - und ich rief ausgerechnet ihn an. Schnell legte ich wieder auf und hoffte inständig, dass der Anruf gar nicht erst zu ihm durchging. Meine Gebete wurden jedoch nicht erwähnt und keine fünfzehn Minuten später rief er zurück. Was darauf folgt war ein stetiges Kichern meinerseits und er musste ebenfalls schmunzeln. Wir haben seit Mai 2018 nicht mehr am Stück miteinander gesprochen. Zwar mal eine Sprachnachricht hier und dort verschickt aber eben kein persönliches Gespräch in diesem Sinne miteinander geführt. Jedenfalls entschuldigte ich mich für mein Versehen und konnte nicht anders, als ihm dies auch nochmal zu schreiben nachdem wir wieder aufgelegt hatten. Er schrieb zurück, dass es kein Problem sei, doch mit dem zweiten Teil seiner Nachricht hatte ich nicht gerechnet: Er schlug vor, dass wir die Tage ja mal miteinander telefonieren könnten und uns gegenseitig ein bisschen darüber erzählen, was momentan so aktuell ist. Ich muss ehrlich sagen, dass ich lächeln musste als ich das gelesen habe. Denn auch wenn ich keine tiefen Gefühle mehr für ihn hege, so wird er doch immer einen Platz in meinem Herzen haben und ich glaube mittlerweile fest daran, dass ich auch einen in seinem habe. Am Abend des darauffolgenden Tages kam es dann auch dazu, dass wir miteinander telefonierten und uns alles mögliche erzählten. Über meinen Job, sein Praktikum, unsere Wohnsituationen, unsere Familien, unsere Freunde ... Wir quatschten über eine Stunde lang und währenddessen spazierte ich ein wenig draußen rum, da ich gerade noch auf dem Heimweg von einer Freundin aus war. Es hat wirklich Spaß gemacht, wir haben viel miteinander gelacht. Verrückt wie man auch noch nach all den Jahren wissen möchte, wie es dem jeweils Anderen geht und was er so macht. Als es dann zum Ende des Telefonats kam sagte er, dass es schön gewesen sei mit mir zu sprechen und ich erwiderte es. Er sagte es wirklich sanft und ehrlich, was mich nur dazu brachte die letzten Tage immer mal wieder daran zu denken. Ich bin froh nicht mehr das kleine Mädchen zu sein, das so in ihn verliebt war aber auch froh darüber, dass ich wir nicht mehr in der Zeit unseres Kontaktabbruchs aufgrund unserer damaligen Partner stecken. Vielleicht wiederholen wir das ja irgendwann mal, bis dahin hat mich dieses längere Telefonat aber auch schon sehr glücklich gemacht.

Samstag, 28. September 2019

"Du bist nicht alleine."

Derzeit leide ich unter dem allseits bekannten Problem einer jeden Frau: Der Periode. Und als wäre die damit verbundene Migräne nicht schon anstrengend genug, ist die Dampfwalze an Emotionen, die mich besonders abends und nachts überrollt, das Sahnehäubchen des Ganzen. Paradoxerweise bin ich während meiner Tage auch noch am liebsten alleine, obwohl ich erst recht dann kaum aushalte alleine zu sein. Ich nehme alles - insbesondere Songtexte - viel intensiver wahr und reagiere dementsprechend. Ein gutes Beispiel dafür ist "Wem mach ich was vor" von TUA. Vielleicht nicht eines der bekanntesten Lieder der deutschen Musikgeschichte, dennoch eins das mir von der Seele spricht. Und sind das nicht am Ende die Lieder, die uns am meisten bedeuten?

Dass du mir fehlst habe ich niemand erzählt,
lieber drüber geredet wie viel besser es mir geht.

Erst letzten Mittwoch habe ich mich mit einer guten Freundin getroffen und sie hat mir von ihrer Problematik mit ihrem Freund erzählt. "Ich weiß nicht, ob ich ihn noch liebe oder es nur die Macht der Gewohnheit ist. Aber ich weiß, dass ich nicht ohne ihn sein will. Ich glaube ich kann nichtmal mehr ohne ihn sein. Wir haben schließlich drei Jahre miteinander verbracht, ohne ihn wäre ein Teil meines Lebens verschwunden", sprach sie und sah mich verzweifelt an. In diesem Moment war sie wie ein Spiegel meiner Selbst von vor nicht allzu langer Zeit. Nahezu die gleichen Gedanken spukten mir Tag ein Tag aus durch den Kopf, als ich noch mit ihm zusammen war. Auch als wir dieses zusätzliche Jahr miteinander verbracht haben. Unwillkürlich ließ ich ein ersticktes Lachen von mir und antwortete: "Ich weiß wovon du redest und ich weiß leider noch viel besser, dass das nicht einfach ist." Wie könnte ich ihr auch etwas anderes vorgaukeln? Trotzdem vermeide ich nicht nur bei ihr sondern auch bei allen anderen meiner Freundinnen zu sagen, dass er mir fehlt. Hin und wieder. Denn ich erzähle lieber von den guten Effekten, die unsere endgültige Trennung mit sich zog. Aber vielleicht ist genau das von Anfang an mein Fehler gewesen. Denn auf diese Art und Weise habe ich viel mehr verdrängt als verarbeitet und wahrscheinlich ist das auch der Grund, weshalb ich bei bestimmten Zeilen aus Songtexten besonders gut anfangen kann zu weinen.
"Was denkst du gerade?", hat S. mich am 01. November 2018 gefragt, nachdem ich ihm keine Antwort auf seine Frage, ob wir denn zusammen seien, geben konnte. Und als wollte mir Gott noch Hintergrundmusik zu meinen Gedanken liefern, spielte der Musiksender in seinem Fernseher ausgerechnet "Lucid Dreams" von Juice WRLD.

I still see your shadows in my room,
Can't take back the love that I gave you.
It's to the point where I love and I hate you,
And I cannot change you so I must replace you.
Easier said than done,
I thought you were the one.

Ich dachte an so vieles auf einmal, dass ich ihm auch auf diese Frage keine direkte Antwort geben konnte, außer: "Dass ich eine verdammte Schisserin bin." Wie sollte ich ihm auch erklären, dass mich meine letzte Beziehung an der Liebe mehr hat zweifeln lassen als jemals zuvor? Dass er mir gesagt hat, dass er mit keiner außer mir in absehbarer Zeit wieder eine Beziehung eingehen würde nur um dann eben genau das Gegenteil zu machen und ich am Ende nicht nur unglaublich wütend sondern auch verletzt war. Und ausgerechnet das Lied, das wir gerade hören, eins von denen war zu denen ich mir die Augen ausgeheult habe. Doch S. sah mir nur in die Augen und lächelte mich aufmunternd an, während er mir über die Wange strich. Er fragte nicht weiter nach, wofür ich ihm mehr als dankbar war. Er wusste bereits die grobe Zusammenfassung meiner letzten Erlebnisse und konnte sich seinen Teil zu meiner Antwort vermutlich denken.
Die richtige Musik kann schon unfassbar stark sein. Insbesondere eben wenn sich ein einziges Hormonchaos in einem abspielt. Am Ende sehe ich aber wieder klarer und weiß, dass alles genauso kommen musste wie es gekommen ist. Doch ich wünschte trotzdem, dass es weniger schmerzhaft gewesen wäre und mich nicht jedesmal eine Art Blitz trifft, sobald jemand ihn erwähnt. Das passiert Gott sei Dank nur sehr selten, doch wenn dann versteife ich mich jedes Mal und weiß erstmal nicht mehr wohin mit meinen Gedanken und Worten. Ich denke auch dass eben das der Grund ist, weshalb die Menschen immer vermeiden wollen im Schlechten auseinander zu gehen. Es hinterlässt selbst bei den am stärksten wirkenden Personen seine Spuren, die auch früher oder später wieder ans Tageslicht kommen. Bei mir meistens wenn ich zu viel getrunken habe. Das letzte Mal ist auch erst knapp einen Monat her. Ich weinte bitterlich und wiederholte immer wieder einen Satz: "Ich will nicht alleine sein." S. nahm mich feste in seine Arme und versuchte mich zu beruhigen: "Du bist nicht alleine. Ich bin bei dir." Was nur dazu führte, dass ich meine Finger in sein T-Shirt krallte und weiter Tränen vergoss. Er hat bis heute nicht weiter nachgefragt, weshalb ich in dieser Nacht eine solche Angst hatte plötzlich alleine zu sein. Denn er weiß dass ich von selbst zu ihm kommen werde, wenn ich mit ihm reden will und Verlustängste gehören nicht zu meinen liebsten Gesprächsthemen.
Naja, ich denke ich habe nun genug meiner Gedanken niedergeschrieben. Mir ist gegen Ende wiedermal aufgefallen, dass S. sehr gut mit mir umzugehen weiß. Er war auch überhaupt nicht sauer oder dergleichen auf mich, weil ich zu viel getrunken habe. Nur fürsorglich und zuvorkommend. Er ist etwas ganz Besonderes, so viel steht fest. Und wenn mich nicht gerade eine Welle der Gefühle trifft, bringt er mich nur zum Lachen - Was das Schönste überhaupt ist. So viel und lange zu lachen, bis mein Bauch weh tut.