Verrückt, was sich innerhalb kürzester Zeit alles tun kann. Mein frischestes, spannendes Erlebnis hat sich am Freitag, den 09.10.2020 zugetragen und da dieser Blog hauptsächlich nur noch dafür da ist, dass ich eben solche unvergesslich für mich machen kann, werde ich nun genau dies machen. Es fing damit an, dass ich ihn auf WhatsApp anschrieb und fragte, ob er ein gutes kleines Restaurant oder Café in Düsseldorf kennt. Da er ja schließlich aufgrund seines Praktikums dort wohnt, hielt ich dies für die einfachste Lösung um auf schnellstem Wege an einen hilfreichen Tipp zu kommen. Ich hatte nämlich aus einem gegebenen Anlass vor, dorthin zu fahren und war nicht in der Stimmung für langes googlen und entscheiden. Er nannte mir daraufhin zwei Vorschläge und ich bedankte mich, woraufhin ich fragte ob er auch in Düsseldorf sein würde, da man sich dann vielleicht ja sogar über den Weg läuft. Er schrieb zurück, dass er tatsächlich dort sein würde und schlug dann - zu meiner Überraschung - vor, ob wir nicht zusammen einen Kaffee trinken wollen wenn's zeitlich passt. Nach etwas längerem Überlegen stimmte ich zu und wir verabredeten uns.
Wir verabredeten uns für den Düsseldorfer Hauptbahnhof, da er dort in der Nähe wohnt und wir uns für nach seinem Feierabend verabredet haben. Ich muss im Nachhinein zugeben, dass je näher die vereinbarte Uhrzeit heranrückte, ich aufgeregter wurde und ich überlegte immer wieder wann ich ihn das letzte Mal gesehen hatte. Hundertprozentig bin ich mir auch jetzt noch nicht sicher, doch ich glaube es war vor zwei Jahren als wir uns in seinem alten Wohnort getroffen haben und uns auch nochmal näher gekommen sind. Da die heutigen Umstände aber nun andere sind, war letzteres definitiv keine Option mehr aber ich hatte auch nicht die Befürchtung, dass er Anstalten in diese Richtung machen würde, weswegen ich einem Treffen zwischen uns viel mehr optimistisch entgegen sah. Er schrieb mir noch ein paar Minuten zuvor, dass er uns ein Plätzchen im Starbucks gesichert habe und als ich besagten Ort betrat, sah ich wild umher ohne ihn jedoch zu finden. Als ich erneut meinen Blick durch den Raum schweifen lies, sah ich dass es noch ein Stück weiter reingeht und dann leiteten meine Beine mich wie von selbst zu ihm. Da saß er, im schicken Anzug und mit einer Tasse Kaffee vor sich auf dem Tisch. Ich zog meinen Mund-Nasen-Schutz aus, um ihm mein breites Grinsen zu offenbaren und wir umarmten uns zur Begrüßung. "Schön, dich zu sehen", sagte er und ich setzte mich gegenüber von ihm hin. Ab da unterhielten wir uns ausgiebig über Leute aus unserer gemeinsamen Schulzeit und unsere jetzigen Jobs sowie dazugehörigen Arbeitsplätze. Wir lachten viel zusammen und es war wieder so schön umkompliziert mit ihm zu sprechen, wie ich es in Erinnerung hatte und es freute mich zutiefst. Wir sind wohl kaum sehr gute Freunde, doch uns wird immer was verbinden und wir schätzen uns gegenseitig. Das gibt einem das Gefühl einen alten Freund wieder zu treffen und ich kann nicht behaupten, dass ich mich nicht wohl gefühlt habe in seiner Nähe. Irgendwann kamen wir auf das Thema Kindheit und Jugend. "Ich erinnere mich an kaum etwas", begann er zu erzählen. "Immer wenn ich Geschichten erzählt bekomme, erinnere ich mich nichtmal ansatzweise an diese." Ich stimmte ihm zu, da es mir ähnlich geht. Gefühlt hat die fünfte bis achte Klasse gar nicht existiert. "Bei mir fangen Erinnerungen erst wieder in der achten Klasse an und ab da weiß ich wieder vieles", fügte er hinzu und ich musste unweigerlich lächeln. Als er in der achten Klasse war, haben wir uns ineinander verliebt und sind zusammen gekommen. Zwar hätte es mich auch ein wenig gewundert, wenn er behauptet hätte dass er davon ebenfalls nichts mehr weiß aber es hat mich dennoch gefreut zu hören, dass er sich daran erinnert und wenn man uns heute betrachtet, ist es auch nahezu unglaublich dass wir damals noch so jung waren aber uns trotzdem nie gänzlich aus den Augen verloren haben. Während wir uns weiter unterhielten, verging die Zeit wie im Fluge und ehe wir uns versahen, mussten wir auch wieder aufbrechen. Dabei fiel mir wieder auf wie unfassbar groß er ist, ich bin wirklich der absolute Zwerg im Gegensatz zu ihm. Würde ich ihn nicht kennen, fände ich das sogar etwas einschüchternd. Wir verließen Starbucks wieder und standen in der Menschenmenge des Düsseldorfer Hauptbahnhof, als er sagte: "So ... Es war schön dich wiederzusehen. Solltest du mal wieder in Düsseldorf sein, sag gerne Bescheid." Ich lächelte unter meinem Mund-Nasen-Schutz. "Mache ich", antwortete ich. "Das hoffe ich", hörte ich ihn daraufhin mit einem Grinsen in der Stimme sagen und wir umarmten uns noch einmal zum Abschied. Ich muss zugeben, dass ich aufgrund seiner Größe etwas unbeholfen dabei war aber es hat mich in dem Augenblick nicht gestört. Ich war einfach nur glücklich darüber, dass wir so ein nettes und entspanntes Treffen zusammen hatten.
Meinem Freund S. habe ich selbstverständlich ebenfalls davon erzählt, wenn auch nicht sehr detailreich. Er hakte aber auch nicht großartig weiter nach, bis auf "Und, geht es ihm gut?" und "Warum wohnt er Düsseldorf?". Er wirkte aber auch nicht eifersüchtig oder etwas dergleichen, sondern viel mehr neutral. Er hat sich aber für mich gefreut, dass ich mich gefreut habe und das war mir auch wichtig. Nun bin ich wieder zurück in meinem normalen Alltag und fahre gleich zu meinen Eltern, um noch ein paar Sachen von dort abzuholen.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen