
Es ist so viel passiert seit meinem letzten Post, sodass ich meinen Drang zu schreiben nun nicht mehr zurückhalten kann. Logisch, dass ich dabei unter anderem die aktuelle Corona-Pandemie im Sinn habe, denn diese ist schließlich das wohl größte Ereignis seit langem - für so ziemlich jeden Einzelnen von uns. Zum Glück hat diese aber mein letztes Ausbildungsjahr nicht allzu sehr beeinträchtigt. Natürlich wurde auch meine Abschlussprüfung verschoben und das war wirklich nervenraubend zum Zeitpunkt der Bekanntmachung, da wir auch nicht auf Anhieb einen neuen Termin erhalten haben. Nichtsdestotrotz habe ich mich das erste Mal so richtig auf meinen Hintern gesetzt und gelernt. Während meiner gesamten Schulzeit habe ich das nicht häufig gemacht und ich war auch stets der Meinung, dass das nichts für mich ist, weswegen ich mich auch aus diesem Grund für eine Ausbildung statt eines Studiums entschieden habe. Dennoch wollte ich es schaffen einen guten Abschluss zu erreichen, um meinen neuen bei einer der Justizbehörden in Köln auch antreten zu können, denn dafür brauchte ich mindestens eine Gesamtnote von "Befriedigend". Einerseits dachte ich zwar, dass wenn ich mein Abitur mit verhältnismäßig wenig Aufwand geschafft habe, ich auch meine Ausbildung definitiv schaffen werde, doch ich wollte mich seit langem mal wieder nicht mit dem geringsten zufrieden geben. Nein - Ich wollte deutlich besser sein als das! Also setzte ich mich für drei Wochen täglich acht Stunden an meine Gesetzestexte, alten Abschlussprüfungen und Übungsaufgaben. Ich ging strategisch jedes meiner drei Lehrjahre nochmal durch und wurde am Ende auch belohnt: Ich habe als Jahrgangsbeste meine Abschlussprüfung abgelegt. Selten war ich jemals so stolz auf mich, denn ich habe mir selbst bewiesen dass ich viel mehr kann wenn ich es nur will und auch an mich glaube. Natürlich war es auch eine Form von Egopush zu wissen, dass die Rechtsanwaltskammer nicht nur Köln, sondern auch noch Bonn und Aachen miteinschließt. Somit habe ich mein Ziel mehr als erreicht und arbeite nun seit Anfang Juli bei meiner Wunsch-Justizbehörde. Ein weiterer Meilenstein in meinem Leben ist, dass ich ausgezogen bin. Mein Freund und ich wohnen bereits seit knapp einem halben Jahr zusammen und es klappt außerordentlich gut bisher. Wir sind allerdings immer noch dabei Möbel zu kaufen, denn aufgrund der Corona-Pandemie erfolgte der Umzug nur mit dem allernötigsten. Jedoch können wir uns keinesfalls beschweren, denn wir wohnen wirklich preislich in einer Großstadt wie Köln und das auch noch nur ziemlich zentral. Mit dem Fahrrad kommen wir überall innerhalb von Minuten hin und das ist ein Luxus, den ich zuvor nie kannte aber auch nicht mehr vermissen möchte. Er hat vor kurzem auch angefangen "International Management" zu studieren und arbeitet nur noch zwanzig Stunden die Woche nebenher, während ich eben meiner 39-Stunden-Woche nachgehe. Ich kann definitiv behaupten, dass ich mich noch nie ansatzweise so erwachsen gefühlt habe wie derzeit. Dabei ist da immer noch Luft nach oben, doch mein derzeitiger Lebensstand stellt mich mehr als zufrieden.

Und nun möchte ich mir von der Seele runter schreiben, was es mit dem Titel dieses Posts auf sich hat und dazu noch eine kleine Randgeschichte erzählen: Anfang Mai 2018 habe ich mich spontan mit
ihm getroffen. Ja genau, mit diesem einen Jungen - oder mittlerweile viel mehr
Mann. Es war eine wirklich seltsame Lebenssituation in der ich mich befand, da ich ja zu der Zeit auch noch was mit
meinem Exfreund am laufen hatte (was ich im Nachhinein immer noch für ziemlich naiv halte). Allerdings ging dies da auch schon deutlich den Bach runter, keine zwei Wochen später war es dann auch komplett vorbei zwischen uns. Jedenfalls haben
er und ich uns in seinem alten Wohnort getroffen und uns dort einfach irgendwo hingesetzt und gequatscht. Ich erinnere mich noch daran wie unvorstellbar ich es dabei fand, dass ich mal so derart in ihn verliebt war. Nicht weil er nicht liebenswürdig ist oder sich stark verändert hat, sondern weil es früher für mich nie wirklich leicht war so schwerelos mit ihm zu sprechen. Andauernd habe ich alles überinterpretiert was er gemacht und gesagt hat, was mich tagelang danach noch hat grübeln lassen und das war viel mehr anstrengend als leicht. Umso schöner fand ich es, dass dies nun Jahre später möglich und er empfand dies offensichtlich genauso. "
Mit dir ist es so einfach", sagte er noch und lächelte mich an. Aber wer hätte geahnt, dass es am Ende dieses Treffens doch nicht bei einer rein freundschaftlichen Umarmung bleiben würde? Ich jedenfalls nicht. Er fuhr mich mit dem Auto seiner Eltern nach Hause und als wir uns gerade aus der besagten Umarmung voneinander lösten, tauschten wir einen Blickkontakt aus. Dieser hielt vielleicht für eine oder zwei Sekunden an, denn plötzlich passierte es wie von selbst, dass wir uns näher kamen und schließlich vorsichtig küssten. Diese Vorsicht verschwand aber ebenfalls innerhalb kürzester Zeit und das Eine führte zum Anderen. Es war schön mit ihm, ich habe dieses Treffen nie bereut und was es noch viel unkomplizierter machte: Wir haben uns gesagt, dass es schön war und sind nie näher auf das was zwischen uns passiert ist eingegangen. Seitdem haben wir immer mal wieder hin und her geschrieben, wie es uns geht und was sich momentan in unserem Leben abspielt. Wir wollten uns auch mal wiedersehen, doch das kam nie zustande und im November 2018 kam ich dann mit
meinem jetzigen Freund zusammen. Kommen wir nun aber zurück in die Gegenwart: Letztes Wochenende gab es einen kleinen Umtrunk bei einer Freundin, ohne jeglichen besonderen Anlass. Da ich seit einer Weile keinen Alkohol mehr getrunken habe, vertrug mein Körper selbstverständlich sehr wenig. Als es dann dazu kam, dass ich einen Anruf tätigen wollte, habe ich mich auch noch vertippt - denn ich habe mich dummerweise während ich den Kontakt suchte noch unterhalten und mein Multitasking ist bei sowas äußerst fragwürdig - und ich rief ausgerechnet
ihn an. Schnell legte ich wieder auf und hoffte inständig, dass der Anruf gar nicht erst zu ihm durchging. Meine Gebete wurden jedoch nicht erwähnt und keine fünfzehn Minuten später rief er zurück. Was darauf folgt war ein stetiges Kichern meinerseits und er musste ebenfalls schmunzeln. Wir haben seit Mai 2018 nicht mehr am Stück miteinander gesprochen. Zwar mal eine Sprachnachricht hier und dort verschickt aber eben kein persönliches Gespräch in diesem Sinne miteinander geführt. Jedenfalls entschuldigte ich mich für mein Versehen und konnte nicht anders, als ihm dies auch nochmal zu schreiben nachdem wir wieder aufgelegt hatten. Er schrieb zurück, dass es kein Problem sei, doch mit dem zweiten Teil seiner Nachricht hatte ich nicht gerechnet: Er schlug vor, dass wir die Tage ja mal miteinander telefonieren könnten und uns gegenseitig ein bisschen darüber erzählen, was momentan so aktuell ist. Ich muss ehrlich sagen, dass ich lächeln musste als ich das gelesen habe. Denn auch wenn ich keine tiefen Gefühle mehr für ihn hege, so wird er doch immer einen Platz in meinem Herzen haben und ich glaube mittlerweile fest daran, dass ich auch einen in seinem habe. Am Abend des darauffolgenden Tages kam es dann auch dazu, dass wir miteinander telefonierten und uns alles mögliche erzählten. Über meinen Job, sein Praktikum, unsere Wohnsituationen, unsere Familien, unsere Freunde ... Wir quatschten über eine Stunde lang und währenddessen spazierte ich ein wenig draußen rum, da ich gerade noch auf dem Heimweg von einer Freundin aus war. Es hat wirklich Spaß gemacht, wir haben viel miteinander gelacht. Verrückt wie man auch noch nach all den Jahren wissen möchte, wie es dem jeweils Anderen geht und was er so macht. Als es dann zum Ende des Telefonats kam sagte er, dass es schön gewesen sei mit mir zu sprechen und ich erwiderte es. Er sagte es wirklich sanft und ehrlich, was mich nur dazu brachte die letzten Tage immer mal wieder daran zu denken. Ich bin froh nicht mehr das kleine Mädchen zu sein, das so in ihn verliebt war aber auch froh darüber, dass ich wir nicht mehr in der Zeit unseres Kontaktabbruchs aufgrund unserer damaligen Partner stecken. Vielleicht wiederholen wir das ja irgendwann mal, bis dahin hat mich dieses längere Telefonat aber auch schon sehr glücklich gemacht.
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