Nyan Cat Love is on Fire: Und plötzlich ist nichts mehr wie es einmal war ...

Sonntag, 14. März 2021

Und plötzlich ist nichts mehr wie es einmal war ...

Seit Beginn der Corona-Pandemie hofft doch irgendwo jeder, dass es wieder so wird wie davor. Egal wo ich hinschaue oder hinhöre, ich finde immer jemanden der sich darüber beklagt wie scheiße doch alles sei und wie gerne sie wieder alles tun und lassen würden, wie sie wollen. Es ist nicht so, dass ich das nicht nachvollziehen kann - auch wenn ich vermutlich eine der deutlich anpassungsfähigeren Personen bin, kann ich verstehen weshalb die Frustration über die allgemeine Situation immer größer wird. Besonders die extrovertierten Menschen, wie mein Freund, tun mir entsprechend leid und ich wünsche mir für diese und alle anderen da draußen, die unglücklich aufgrund dessen sind, dass ein Ende bald in Reichweite rückt. Allerdings ist der Virus überhaupt nicht der Grund für diesen Post oder meinen gewählten Titel dafür ... Nein, ich wünschte er wäre es aber leider ist er es nicht.
Der 01.01.2021 sollte eine Art Neuanfang für jeden von uns sein. Voller Hoffnung sind viele - darunter auch ich - in das neue Jahr gestartet. Gemeinsam mit meinem Freund und seiner Schwester stieß ich auf 00:00 Uhr an und sagte zu ihnen: "Dieses Jahr wird bestimmt alles wieder besser werden." Auch wenn ich selbst sehr gut damit zurecht komme nicht mehr so viel unter Menschen zu sein, hoffte ich für die Anderen umso mehr mit. Doch da wusste ich auch noch nicht was das Leben nur wenige Stunden später für mich bereit halten würde ...
Um 07:00 Uhr morgens wurde ich von der Vibration meines Handys geweckt und ich sah, dass mein Papa mich anrief. Müde schloss ich die Augen wieder, denn ich wusste dass er an diesem Morgen zur Dialyse fuhr und es ist schon öfters passiert, dass er dabei manchmal etwas zu viel am Handy rumspielt und mich dadurch aus Versehen anruft. Einige Sekunden später vibrierte es aber erneut, nur diesmal auf der anderen Seite des Bettes. Ich richtete mich auf und sah auf dem Handy meines Freundes den Namen meines Papas aufleuchten. Mein Freund wurde ebenfalls wach und sah erst auf das Display, dann wieder zu mir. "Soll ich rangehen?", fragte er und ehe ich überhaupt antworten konnte, ist der Anruf auch schon wieder verschwunden. Gerade wollte ich mein eigenes Handy nehmen um Papa zurückzurufen, doch da rief er auch schon wieder bei mir an. Ich ging verklatscht mit einem "Hallo?" ran und alles was er sagte war: "Hallo, ich gebe dir mal die Notärztin." Plötzlich war ich hellwach aber auch gleichzeitig absolut verwirrt, denn wieso ruft er mich selbst an um mich an die Notärztin weiterzugeben? Normalerweise wenn etwas nicht in Ordnung mit ihm war, rief immer meine Mama an um mir Bescheid zu geben was los ist. Die Notärztin kam an den Hörer und sie fragte: "Sind Sie die Tochter?" Ich bejahte, obwohl ich immer noch nicht die leiseste Ahnung oder Vorstellung hatte, was denn nun kommen würde. "Es tut mir leid Ihnen das sagen zu müssen", begann sie sanft zu sprechen, "aber Ihre Mutter ist soeben verstorben. Wir haben eine halbe Stunde lang versucht sie zu reanimieren, konnten aber nichts mehr für sie tun." Mir fehlten die Worte. Das neue Jahr war erst wenige Stunden alt und schon wurde mir der Boden unter den Füßen weggezogen. Ich verstand nicht im geringsten was geschehen war und auch wenn ich diese Worte jetzt niederschreibe, kann ich es immer noch nicht fassen dass meine Mama gestorben sein soll. Denn auch wenn sie Diabetes hatte, ging es ihr nie ernsthaft schlecht. Nur eine Woche zuvor hatte ich sie noch am zweiten Weihnachtstag gesehen und nun ist sie von heute auf Morgen nicht mehr bei uns. Und man kann mir glauben wenn ich sage, dass auch wenn sie nicht meine leibliche Mutter war, war sie eben meine Mama. Die Frau, die mich vom ersten Tag an in ihr Herz geschlossen hat und mich wirklich aufrichtig geliebt hat. Sie hat immer alles dafür getan, dass es mir an nichts fehlt und ich war auch tatsächlich überzeugt davon, dass ich sie noch eine ganz lange Zeit bei mir haben würde. Denn so blöd es auch klingen mag aber jeder, einschließlich meines Vaters, dachte dass er eines Tages zuerst von uns gehen würde. Alleine schon wegen seiner vielen Vorerkrankungen und des schweren Verlaufs über die letzten Jahre. Nie hätte auch nur irgendeiner geglaubt, dass meine Mama auf einmal nicht mehr aus ihrem Schlaf erwachen würde. Denn genauso war es: Sie ist eingeschlafen, hatte einen Herzstillstand währenddessen und hat ihre Augen seitdem nicht mehr geöffnet.
Es fällt mir schwer mich mit diesem Thema zu befassen, denn ich war schon immer gut darin vor meinen Problemen wegzulaufen und seit diesem Schicksalsschlag habe ich auch den Eindruck, dass all meine Probleme von davor ein Hauch von Nichts waren. Ich gebe dennoch mein Bestes nicht "sauer" auf Andere zu werden, die sich eben z.B. über die Corona-Maßnahmen oder andere Banalitäten ärgern. Dennoch kann ich mir manchmal nicht den Gedanken verkneifen, dass es wesentlich schlimmer sein könnte und dabei muss ich natürlich an meine Mama denken. Ich musste ihre Beerdigung nahezu alleine organisieren, da mein Papa völlig fertig mit den Nerven war. Was natürlich auch mehr als nur verständlich war, dennoch habe ich dadurch meine eigenen Gefühle in die letzte Ecke meines Kopfes versteckt. Seitdem kriege ich sie auch nicht mehr wirklich hervor bzw. will es auch nicht, denn es tut verdammt weh daran zu denken, dass meine Mama mich nie mehr umarmen wird. Dass sie nie sehen wird wie ich vielleicht eines Tages heirate und meine eigenen Kinder kriege. Die Vorstellung davon macht mich regelrecht fertig und zerreißt mich. Hinzu kommt, dass ich meine Mama seit Beginn von Corona nicht mehr näher als bis auf den Mindestabstand gekommen bin. Zum Schutze meines Papas selbstverständlich, der eben ein hoher Risikopatient ist. Im Nachhinein wünschte ich aber, dass ich sie doch wenigstens einmal in die Arme genommen hätte. Ich vermisse sie wirklich sehr wenn ich an sie denke ... Ich wünschte dieses Jahr gäbe es nicht, doch ich weiß selbst dass dies nichts bringt. Meine Mama ist gerade 60 Jahre alt geworden und schon nicht mehr auf der Welt. Es gibt wirklich viele unfaire Dinge im Leben ... Aber das - das ist definitiv meine persönliche unfairste Erfahrung überhaupt. Denn sie hatte es verdient eines Tages als glückliche Oma einzuschlafen ...

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