Es war Karnevalssonntag und mal wieder Zeit für meinen Lieblingszug. Sorgen- und gedankenlos tanzte ich zum Rhythmus der Karnevalslieder mit und ließ mich mit Süßigkeiten beschmeißen. Selten war ich mehr in Stimmung für die fünfte Jahreszeit meiner Heimatstadt als an diesem Tag. Ich trug ein Ganzkörperkostüm, sodass die Kälte mir und meiner Laune auch nichts anhaben konnte. Um genau zu sein war ich ein Waschbär und ich habe mir sogar eine kleine, schwarze Nase geschminkt sowie weiße Vibrissen. Alles war in bester Ordnung, doch plötzlich kamen drei Strüssje auf mich zugeflogen. Reflexartig fing ich sie auf. Pinke Rosen. Verwundert blickte ich nach oben, denn mittlerweile befand sich ein Wagen direkt vor mir. Ich traute meinen Augen kaum. Da war er. Grinsend. Eine meiner Freundinnen quietschte vor Entzückung, während ich ebenfalls begann zu strahlen. Diese Blumen, in meinen Händen, kamen von ihm. Niemand anderes von uns - wir waren zu Siebt - warf er sonst welche zu. Obwohl sogar zwei von ihnen früher mit ihm in der selben Klasse waren. Der Wagen zog weiter und ich lachte immer noch wie ein Honigkuchenpferd. Der Alkohol, der sich bereits in mir befand, war bestimmt nicht ganz unbeteiligt daran aber das ändert auch im Nachhinein nichts an meiner Freude darüber. Ich meine, wie lange ist es her, dass ich Blumen von jemand anderes als meinem Vater geschenkt bekommen habe? Ein paar Jahre. Also hat er es mit dieser einfachen Geste geschafft meinen Tag nur noch mehr zu versüßen. Ich winkte ihm hinterher, denn der Zug zog weiter. In die Richtung, in der er sich mit zwei Freunden und zwei Freundinnen befand. Viele, viele Meter weiter von uns weg. Aber das war ohnehin nicht relevant. Später schrieb er mir, dass er ihn ebenfalls gesehen hat und kommentierte, dass ich von ihm bestimmt eine ganze Menge zugeworfen bekommen habe. Ich verneinte dies nicht, da es nunmal stimmte. Nur habe ich bloß die Strüssje davon behalten, denn ich war so überrascht davon ihn zu sehen, dass ich mich für einen Moment nicht von der Stelle bewegen konnte. Allerdings trauere ich diesen Süßigkeiten nicht hinterher, denn diese Blumen waren ohnehin viel besser.
Am nächsten Tag habe ich mich auch dafür bedankt, wie ihr sehen könnt. Aber das ist noch nicht alles. Da wir uns dieses Jahr an Karneval ansonsten nicht begegnet sind schlug er vor, dass wir uns demnächst wann anders sehen können, wenn es bei mir zeitlich passt. Naja und ich muss gestehen, dass mich der Gedanke daran nicht ganz kalt lässt. Keine Ahnung ob da mein jugendliches Herz durchdreht oder einfach der Eindruck, den er durch die Strüssje bei mir hinterlassen hat, Überhand gewinnt. Er fragte ob es bei mir nächstes Wochenende passen würde und nach langem Überlegen antwortete ich "Okay, ja passt" mit einem lächelnden Smiley dahinter. Somit haben wir uns noch nicht konkret verabredet aber der Wille scheint bei uns beiden vorhanden zu sein ...
Nachdem ich mir aber gestern meinen Blog nochmal ein wenig durchgelesen habe ist mir wieder in Erinnerung gekommen, dass er mir früher oft kurzfristig wieder abgesagt hat. Aber das war früher. Vielleicht liegt diese Zeit wirklich komplett hinter uns. Ich hoffe es zumindest. Er weiß darüber noch nichts. Ob ich ihm das erzählen werde weiß ich auch noch nicht, denn ich kann mir seine Reaktion dazu sehr gut vorstellen. Allerdings macht er ebenfalls was er will und wir sind nicht mehr zusammen. Aber wer weiß, vielleicht bin ich auch diejenige, die am Ende noch einen Rückzieher macht und ihm absagt. Dann müsste er sowieso nichts davon erfahren. "Dir laufen die Typen momentan regelrecht hinterher", sagte eine meiner Freundinnen noch letzten Sonntag. "Und ich habe direkt gesehen, weshalb er schon von weitem so gelächelt hat!" Tja, was soll ich sagen. Auch wenn ich das besser nicht sollte, fühle ich mich durch letzteres ein wenig besonders. Vielleicht war es das, was seine Exfreundin letztes Jahr an Karneval unter anderem meinte. Ich war nicht nur seine erste Liebe sondern auch die, mit der er so viele Erinnerungen hat. Kein unwichtiger Teil seines Lebens eben. Genauso wie er bei mir. Und ich denke es ist gerade das, was uns irgendwie immer ein wenig miteinander verbinden wird. Mal sehen was nächstes Wochenende tatsächlich passieren wird.



Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen