Ich bin frei für jede Art von Frage und deswegen versuche ich es kurz zu fassen, was mir jedoch sicherlich eh nicht wirklich gelingen wird: Es fing damit an, dass meine Mutter von zuhause abgehauen ist. Sie ist nach Mexiko gereist, um zu schauen, woher sie überhaupt stammt. Ihre Eltern haben sie damals in ein Heim abgegeben und meine Großeltern holten sie aus diesem wieder raus, indem sie sie adoptiert haben. In Mexiko hat meine Mutter sich dann eine Bleibe gesucht und auf der Suche nach ihren Eltern einen Mann kennengelernt. Meine Großmutter meinte jedoch, dass dieser Mann bereits verlobt war. Dennoch hatte er etwas mit meiner Mutter am laufen und dann, ja - bin ich entstanden. Meine Mutter war gerade erst 18, als sie abgehauen ist und schließlich 19, als ich geboren wurde. Mein Vater war bei der Geburt nicht dabei. Auf meiner Geburtsurkunde steht, dass ich keinen Vater habe bzw. er wurde nicht angegeben. Nirgendwo steht sein Name, meine Mutter hat immer nur sich selbst eingetragen, aber nie ihn. Auch bei der Namenswahl, denke ich, hat meine Mutter alles allein entschieden. Vielleicht hat meine Mutter ihm gesagt, dass sie schwanger sei und er aber wollte nichts davon wissen. Hat wahrscheinlich die Flucht ergriffen. Meine Mutter ist also mit mir nach Deutschland zurückgereist, zu meinen Großeltern bzw. ihren Eltern. Somit stand sie mit ihrer Tochter vor der Haustür. Meine Großeltern liebten mich trotzdem vom ersten Tag an und hatten mit mir ihr erstes Enkelkind bekommen. Meine Großmutter aber hatte Sorgen um mich. Wie sollte meine Mutter mich überhaupt verpflegen? Sie hatte die Schule abgebrochen und somit keinen Abschluss. Von einer Wohnung und Geld konnte sie nur träumen. Auch wenn es vorerst nicht gut mit meiner Zukunft aussah, meine ganze Familie war froh, dass ich da war. Meine beiden Tanten und meine drei Onkel waren hin und weg von mir. Sie kümmerten sich alle liebevoll um mich, bis auf die wichtigste Person von allen (eigentlich): Meine Mutter. Ich war ungewollt. Nicht geplant. Ein Unfall. Habe alles nur noch komplizierter für sie gemacht. Mein Vater? Irgendwo in Mexiko. Sie hat nur noch mich und sonst nichts. Meine Großeltern planten mich stattdessen aufzuziehen. Sie könnten mich versorgen und mir alles nötige zur Verfügung stellen. Meiner Mutter war dies natürlich ein Dorn im Auge. Auch wenn sie nicht viel mit mir zu anfangen wusste, sie wollte mich meinen Großeltern auch nicht überlassen. Somit begann der Streit um mich. Meine Mutter hasste meine Großeltern. Der Hass ging auch irgendwann auf mich. "Meine Tochter soll es genauso schlecht haben, wie ich es hatte!", waren ihre Worte. Der Kampf zwischen meiner Mutter und meinen Großeltern nahm zu und wurde immer heftiger. Zuerst blieb der Gedanke auch, dass meine Großeltern die Rolle meiner Eltern übernehmen werden. Meine Großmutter aber bekam Bedenken. Was ist, wenn einer von ihnen sterben würde? Dann wäre sozusagen meine Mama oder mein Papa schon tot. Das wollte sie mir nicht antun und folglich fuhr sie eines Tages mit mir zum Jugendamt. Sie bat um eine Familie, die für mich sorgen könnte. Die schon Erfahrung hatte und auch mit einer komplizierten leiblichen Mutter klar kommen würde. Meine Pflegeeltern waren perfekt dafür geeignet! Sie hatten schon viel Erfahrung und eine adoptierte Tochter. Ich war gerade mal 15 Monate jung und ab da lebte ich bei meinen Pflegeeltern. Zuerst nur alle zwei Wochen. Danach jede Woche, außer am Wochenende. Schließlich dauerhaft. Bis ich eingeschult wurde musste ich meine Mutter noch besuchen gehen, was aber irgendwann von einem Richter auch abgeschafft wurde, zum Wohle des Kindes. Es waren Jahre der ständigen Streitereien. Meine Mutter gegen meine Großeltern und meine Pflegeeltern.
Die Jahre vergingen und ich wuchs heran. Wurde älter und in manchen Dingen erfahrener. Meine Großmutter behielt Recht mit ihrer Sorge damals. Wäre ich bei meinen Großeltern geblieben, wäre meine 'Mama' schon seit 3 Jahren tot. Das hätte nur noch mehr Schaden bei mir hinterlassen. Ich hatte Glück mit meiner Pflegefamilie, es gibt ja auch Pflegeeltern, die sich für ihre Pflegekinder gar nicht interessieren, während meine mich manchmal in ihrer Fürsorge ersticken. Sie sind ganz wundervolle Menschen und ich bin ihnen dankbar! ♥


Freut mich, dass du so liebe Pflege Eltern bekommen hast! Das Glück hat leider nicht jeder. Hast du denn jetzt gar keinen Kontakt mehr zu deiner (leiblichen) Mama?
AntwortenLöschenoh das ist eine wunderschöne geschichte. ich freue mich für dich, dass du so tolle pflegeeltern hast :)
AntwortenLöschenverzeih die frage, aber hast du noch kontakt mit deinen tanten, onkeln, großvater? und siehst du deine mutter noch manchmal?
lg
svetlana
Zu meinen Tanten, meinen Onkeln und meinem Großvater habe ich noch Kontakt, jedoch sehe ich sie nicht mehr allzu oft ... Meine Mutter sehe ich höchstens nochmal auf der Straße aber sonst auch nicht. Dann geht man aber auch einfach stumm an sich vorbei, doch das war das letzte mal vor einem Jahr oder so.
LöschenIch glaube deine Plegeeltern waren das Beste, was zu der Zeit passieren konnte. Und das sie so liebevoll zu dir sind ist einfach so wunderbar!
AntwortenLöschenDenk an meine Worte, du hast alles Glück der Welt verdient!♥
ohje, keine schöne Geschichte. aber so war es vielleicht alles besser. es klingt super, dass sie so liebevoll zu dir sind =)
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